Für alle, die die Geschichte noch nicht kennen; und für eine staunende Fanschar; und für Fußball-Enthusiasten; und für Weltfrieden; und gegen fiese Meniskusse – hier Jans Geschichte, wie er sich einmal einen Meniskus-Schade zuzog – am rechten Knie, wie die Redaktion in einem ausführlichen Gespräch am Rande der Bundesligapartie Borussia Dortmund gegen Schalke 04 erfuhr. Im Forum wurde diesem Bericht schon mit der Grimmschen “Blattgold”-Status verliehen.
Ein Dr. sagte dazu sogar: “Ein Meisterwerk der 20jährigen Grashüpfer-Geschichte!!”
Hier nun die Geschichte:
Hey Andreas, das hört sich nicht gut an. (Anm. d. Redaktion: Andreas hat im Moment mit einem Verdacht auf Meniskusschaden zu kämpfen) Mir ist so was auch schon mal passiert. Allerdings schon etwas länger her, als ich mal in Eichlinghofen spielte. Bei mir muss es im Spiel passiert sein oder danach:
Ich hatte gerade auf der eigenen Torlinie den Ball geklärt – 90. Minute – und den Ball mit voller Wucht in den Nachmittagshimmel gedroschen, da verspürte ich allerdings noch nichts. Der Ball kam dann kerzengerade in Höhe des 16ers runter, wo ich mittlerweile auch schon auf ihn wartete, auf meinen Freund, den Ball. Ich habe ihn dann locker mit der Brust abgefangen und sanft auf meinen Spann tropfen lassen, alles in einer flüssigen Bewegung.
Mein Knie spürte ich da allerdings nicht, eher meinen Brustkorb.
Aber egal, es war ja keine Zeit mehr zu jammern. 90 Minute. Verstehste?! Der Ball musste nach vorne. Wir lagen zurück und wir brauchten den Punkt zum Ausgleich um nicht abzusteigen.
Nachdem also mein Freund, der Ball, so sanft auf meinem Spann ruhte und auf den Außenrist wartet, der ihn zu einem der Stürmer befördern wollte, bemerkte ich, dass kein Stürmer vor mir war. Es war gar keiner mehr vor mir. Die meisten standen alle im eigenen 16er oder auf der Torlinie. Weil: es war ja Ecke gewesen.
Ich also kurz geguckt und losgelaufen. Vor mir die halbe Brünninghauser Mannschaft. Alles so Landesligazocker. Ehemalige, und so. Auch Verbandsliga. Verstehste? Ich so: Arschlecken. Wir brauchen noch dieses eine piselige Tor zum Ausgleich. Viel Zeit ist nicht.
Dann bin ich losgelaufen. An dem ersten vorbei, der noch vor mir stand wie so ne Ölgötze und den Mund nicht zubekam, wie ich den Ball aus 150 m Höhe gestoppt hatte – meinen eigenen Befreiungsschlag. Weitergelaufen. Der Zweite. Übersteiger und vorbei. Dann kam auch schon der Dritte angelaufen. Typ: Kühlschrank. Mit zwei sehr eng stehenden kleinen Schweinsaugen, die – wie ich schnell an seiner Körpersprache und dem einfältigen Gesichtsausdruck erkennen konnte – nicht nur den Ball fixierten, sondern dem Spatzenhirn unter den schwülstigen Augenbrauen mitteilten, dass auch meine Beine reif seien.
Dieser Gefahr, konnte ich nur entgehen, wenn ich folgendes versuchte: Aus vollem Lauf – mit dem Ball – zu stoppen. Von ca. 60, 70 km/h schaffte ich es innerhalb eines halben Meters anzuhalten. Dies war im Grunde kein allzu großes Problem, weil ich diese Situation schon mehrfach in meinem Kopf durchgespielt hatte. Fußball ist nämlich zu 80 % eine Kopfsache. Verstehste? Mit einem ohrenbetäubendem Lärm rauschte der 150 kg-Koloss vor mir vorbei. Beide Beine gestreckt und mit 18er Alustohlen voraus. Er flog so knapp an mir vorbei, dass der vor mir liegende Ball leicht anfing zu kreiseln, von dem Luftstrom dieser Fettsau. Mit dem linken Arm hatte ich noch kurz Zeit eine leichte Olé-Bewegung zu machen. Wie beim Stierkampf.
Keine Zeit. Weiter. Im Augenwinkel sah ich den Schiedsrichter die letzte Minute anzeigen. Ich also wieder Fahrt aufgenommen. Wieder Höchstgeschwindigkeit. Mit Ball am Fuß. Vor mir noch drei, vier Brünninghauser. Drei Gegner = ein sicheres Dribbling.
Mit Hochgeschwindigkeitstempodribbling ging es dann durch die gegnerischen Slalomstangen. Zack, Zack, Zack. Stehengelassen wie nix. Die haben sich auch gedacht, wer kommt denn da angerauscht, welcher D-Zug. Mit Ball am Fuß. Rechts wie links. Tempodribbling halt.
Als dann der Torwart auf mich zukam habe ich das Dingen einfach aus 30, 40 Metern abgezogen. Ein Schuss wie ein Strich. Der Ball machte nicht die leiseste Drehung. Ich schätze er flog mit locker über 100 km/h aufs gegnerische Tor zu. Ich dachte ich spürte mein Knie, aber es war nicht so. Nix. Alles klar, dachte ich. Der Ball ist drin. Fertigmachen zum Jubeln. Und laufe langsam zum gegnerischen Tor hinter dem unsere Fans standen.
Auf dem Weg dorthin hörte ich ein megalautes Knallen. Ich dachte, es müsste ein Flugzeug sein, das gerade die Schallmauer durchbrochen hat. Aber es war der Ball der ans Lattenkreuz geknallt war und sich von da in Richtung Himmel schraubte.
Scheiße, dachte ich. Nicht drin. Jetzt aber schnell in den 16er. Den von den Brünninghausern. Und den Ball, deinen Freund, auf seine letzte Reise schicken. Der Torwart kam mir aus dem Spielfeld entgegengelaufen und ich konnte den Ball nur mit einer artistischen Einlage ins Tor befördern.
Mit einem Fallrückzieher, wie ihn seit Klaus Fischer keiner mehr gesehen hat. Das war ein Dingen. Wahnsinn. Körperhaltung, Schusstechnik. Alles. Perfekt getroffen. Ein Raunen ging durchs Stadion. Und dann Stille. Nur ein leichtes Surren war zu hören. Wie von einer Biene. Oder einem Käfer. Es war der Ball. Der Ball auf seiner letzten Reise über die heimische Asche des wunderschön gelegenen Stadions an der Hövel. Mitten rein ins Tor. Schlusspfiff. 1:1 Endstand. Mit dieser Aktion hatte ich den TuS Eichlinghofen vor dem Abstieg bewahrt.
Und was soll ich sagen. Der Jubel kannte keine Grenzen. Ich kann mich nicht mehr an viel erinnern, aber irgendwann dann muss es passiert sein mit meinem Knie. Meniskus.
An Volker: Am Rande des Bundesligaspiels Borussia Dortmund gegen Schalke 04 wurde die Hoffnung geäußert, dass sich ein Folgebericht über ein von dir frei erfundenen Meniskusschaden anschließen wird.
12 Februar, 2008 at 4:49
Großartig!