26 Februar, 2008
Schon länger im Forum, jetzt auch ganz offiziell - Volkers Geschichte zum schon bekannten Meniskus-Thema.
Hey Andreas, das sind schlechte Neuigkeiten.
Auch mir ist dieses gesundheitliche Problem nicht ganz unbekannt. Eigentlich hatte ich das alles schon verdrängt und hinter mir gelassen, aber Komander wirkte auf mich ein, damit meine Geschichte Dir Mut gibt, und daher erzähle ich sie einfach, auch wenn es mich auch nach all den Jahren noch ganz schön aufwühlt.
Ich war damals 25, doch sollte ich bald 26 werden. Zu der Zeit ging es mir emotional nicht so gut, denn ich hatte gerade eine Trennung hinter mir. Viele mögen sie ja als Pop- Göttin verehren, für mich ist sie auch heute nur eine billige Hupfdohle mit italienischen Vorfahren. Sie wusste genau, was sie wollte und hat dies auch ordentlich von mir erhalten.Trotzdem schmerzt es immer, wenn etwas zu Ende geht, Du kennst das doch sicher auch. Sie nehmen immer ein Stück von dir selbst mit, das du vielleicht noch gern behalten hättest. So war es auch bei mir.
In solchen Situationen tut es immer gut, wenn man sich auf seine Freunde verlassen kann. Mein fast schon väterlicher Freund Oscar hatte mich ins Hotel Dunamar in Playa de Ingles eingeladen. Täglich sprintete ich die 76 Stufen zum Meer solange rauf und runter bis ich ausgepumpt auf meine Liege am Pool fiel. Manchmal 21-22 mal bei über 40° in der prallen Sonne von Gran Canaria. Ich brauchte diesen Sport, um den Kopf frei zu kriegen. Abends ließen die Jungs und ich es ordentlich krachen. Es machte mir Riesenspaß, allein auf der Bühne herumzujammen. Nach dem Streit mit Noel und Liam hatte ich einfach keinen Bock mehr auf eine Band und die ewigen Kompromisse. Dieses Rockstar- Getue war nicht meine Welt, kleinere Gigs vor 1 bis 2.000 Leuten, die richtig abgehen, das schockt. Da mußte ich mich nicht in Richtung Mainstream verbiegen. Ich beendete mein kleines Konzert mit einem improvisierten Song, über den sich mein alter Freund Franz köstlich amüsierte: 54,74,90,2002. Das war ein Insider.
Ich, Franz und ein paar andere von den Illuminaten planten damals, die Fußballweltmeisterschaft 2002 nach Deutschland zu holen. Wir hatten wenig Vertrauen in Bertis Arbeit. Es wurde Zeit, dass sich was drehte.Nach dem fünften Caipi kam Oscar mit einer absoluten Schnapsidee rüber. Wir sollten mit der Hotelbar- Gang gegen die aktuelle Schalker Truppe antreten. Die blau weißen waren damals mal wieder knapp bei Kasse, doch bei Oscar konnten sie immer noch auf dicke Hose machen. Franz und ich lachten. Luginger, Anderbrügge, Sendscheid konnten den Ball zwar weiter stoppen als wir schießen, aber die waren verdammt fit. Auf jeden Fall konnten sie mehr rennen, als unsere Barcrew mit den rotverbrannten Schultern. Ich schob die kleine Nachwuchsschauspielerin von meinem Schoß und wirkte auf den Franz ein. „Lass uns das machen, Franz“, sagte ich. „Prost Volker, wir machen das“ antwortete Franz. „Aber paß auf, Du alter Schlüpfersammler, die Herner Baumschüler schieben nen ganz schönen Hals auf dich, nachdem du ihnen komplett die Geweihfrisur verpasst hast“ riet er mir noch. Wie so oft hatte der Kaiser Recht.
Mein kleines Abendarrangement mit den Spielerfrauen war nicht wie geplant unter der Bettdecke der Verschwiegenheit geblieben. Karen oder eine von den anderen hatte ihr Gewissen erleichtert. Bei jedem Solo durch die Reihen der blauen Bewegungslegastheniker tanzte ich den Säbeltanz. Ich war das gewohnt. Bevor ich mich fürs Studium und gegen das Zigeunerleben eines Profis entschieden hatte, spielte ich gegen bessere Männer als Schalke je zu bieten haben würde. Trotzdem hatten sie mich ein paar Mal erwischt. Nemec und Büskens waren harte Kerle. Im Austeilen, im Einstecken gehörten sie in die Kategorie Kindergarten. Binnen drei Minuten schickte ich die beiden Lausbuben in eine Klinik unter Palmen. Meeresblick beruhigt die Gemüter doch immer und ihren Partnerinnen war das bisschen Spaß mit mir zu gönnen.Nach einer Stunde war noch kein Tor gefallen, doch der Kaiser pumpte schon bedenklich. „Laß es uns machen“ bat er mich, doch ich entgegnete ihm „das hält der Lange nicht durch“.
Horst hatte noch Nebel im Kopf nach dem gestrigen Abend. Wir mussten ihm versprechen, ihn erst nach 80 Minuten zu bringen. Und John Wayne und ich, wir haben unsere Versprechen immer gehalten. Also musste ich es erst mal selbst richten. Ich antizipierte einen Paß auf Dietze Eckstein und lief den Ball einfach ab. Ich spielte Doppelpaß mit einem Bademeister aus Oer Erkenschwick, der pauschal hier war und passte dann auf Franz. Der trat erstmal auf den Ball und spielte quer auf Holzgreve. Dessen Steilpaß dachte sich Thomas Linke zu erlaufen, doch ich sprintete locker an ihm vorbei und netzte mit 112 km/h ein. Oscar das alte Spielkind hatte so eine Radarkanone hinter Lehmann installiert. Die Barcrew klatschte ab, jetzt durfte Franzi, unsere kleine Strandnixe mitspielen. Ich hatte es ihr gestern Nacht leichtfertig versprochen.
Wir steckten den kleinen Lockenkopf auf Linksaußen und Horst das alte Kopfballungeheuer in die Mitte. Oft ist er hier im Dunamar nicht zum Fischen gekommen. Das konnte er aber auch nicht erwarten. Dafür kennen wir uns eigentlich lange genug.Eigentlich hatten wir jetzt ein wildes Anrennen des ewigen Feindes erwartet, doch ich hatte sie anscheinend inzwischen so müde gelaufen, dass ihnen einfach die Spritzigkeit fehlte, um an mir vorbeizukommen. Die Sonne hatte aber auch mich ermüdet. Deshalb wollte ich keinen weiteren Schabernack mit den hoffnungslos unterlegenen Lizenzfußballern treiben. Ich gab Luge einen letzten Tunnel, gab auf dem linken Flügel Kniegas und zirkelte den Ball Millimeter genau auf Hrubesch Stirn. Der Lange ließ es im oberen Eck krachen und wenige Minuten später krachte es an der Bar.
Ich hatte Almsicks Franzi auf den Schultern und plauderte mit dem rechts neben mir stehenden Peter Neururer als Holzgreve mir von links ein kaltes Bier reichte. Bei der plötzlichen Drehung muß es wohl passiert sein. Meniskusriß. Müller Wohlfahrt hat es mir noch am gleichen Abend auf der Playersparty wieder zusammengeflickt.
Ich hoffe, das ganze macht Dir Mut und Gute Besserung.