Grashüpfer der Tradition verpflichtet

Auch in diesem Jahr wird der Aufstieg verschenkt

von VG (es geschehen noch Zeichen und Wunder!)

Bei hochsommerlichen 32°C und kaltem Geburtstagsbier woywodscher Brauart am Spielfeldrand verdaddelten die Grashüpfer auch in diesem Jahr den möglichen Aufstieg. Schnöde Brünninghauser Schützenhilfe nahmen die stolzen Olpkebacher nicht an, sondern verloren ihr Heimspiel gegen den TSC Eintracht Dortmund mit 1:2.

Mit einer spirituell hochwertigen Leistung schaffte es die aktuelle Mannschaft eins zu werden mit ihren Ahnen in den ehrenvollen grünen Shirts. Von nun an darf sich Sturmy als Karl Hausamens Nachfolger verstehen, Roman und Volker können sich einen Kabinenplatz teilen, Micha ist berechtigt mit Holzgreve auf Bräuteschau zu gehen und David darf die nächsten 100 Flanken hinters Tor ballern als wäre er Melle persönlich.

Trost wäre an dieser Stelle fehl am Platze, denn der Ausgang der Saison wird in wenigen Tagen auf einer Ferieninsel resettet. Es wird nur eine phantastische Spielzeit haften bleiben.

Um euch die Zeit noch etwas zu vertreiben, schenke ich euch ein paar Namen für Friseurläden, die Steffen und ich entdeckt haben oder die wir uns einfach ausgedacht haben, während wir 5×5 oder Pyramide gemacht haben. Wie findet ihr „Hairforce 1“ oder „Vorher nachhair“? Dann gibt es die „Schnittstelle“ für EDV Freaks oder für den parallelen Mathematiker von Welt den „Schnittpunkt im Unendlichen“. Als Ostwestfale würde ich zu „Hairman den Cherusker“ gehen und für das klamme Stadtsäckel reicht es nur für den „Stadtkämmerer“. Sicherlich ginge Karl Per zum „Scherenschlag“, wenn es ihn denn gäbe oder den Frommen unter euch empfähle ich „Hairgottnochmal“. Wer auf Eintracht steht (seit gestern sind das wenige), dem sei die „Haar Monie“ angeraten. Wegen des guten Zwecks landet man aber auch schon mal bei der „cHAIRity lady“. Und wer nicht gleich bei der ersten Chance zum Schuß kommt, für den bleiben immer noch „Hairy und Sally“.

Chancen hagelte es im gestrigen Spiel nicht auf Anhieb. Das eintrachtliche Aufbauspiel wirkte gefällig, blieb aber ungefährlich. Aufgrund der Temperaturen beschränkte man sich auf Zweikämpfe in Ballnähe. Ich kann das keinem der Beteiligten verdenken, mir war es selbst am Spielfeldrand so heiß, dass ich in den Schatten mußte. Schlimmer fand ich nur die letzten Mitwochs, wenn man nach 5×5 (das sind 5.000m in der Zeit von Dieter Baumann bei seinem Olympiasieg aber ohne seine Zahncreme) oder Pyramide (hört sich nicht nur wie Sklavenarbeit an, ist es auch) auf dem heimischen Sofa europäische Fußballfinals gucken mußte. Jeder Sprint der Özils und Ronaldos schmerzte vom Zugucken.

Bei den Eintrachtlern ging nur vom bulligen Mittelstürmer mit der 11 Gefahr aus. Um sich die Hände nicht zu verletzen, trug er diese Protektoren, die meine Tochter beim Rollschuhlaufen immer in der Garage liegen läßt, weil die Dinger so uncool sind. Wahrscheinlich kann er sich beruflich keine zerkratzten Handflächen erlauben. Was sollen die Kunden des Fingernagelstudios „schlimmer Finger“ auch denken, wenn der Chef …

Für die Grashüpfer sprangen erst nach Hübschens bedauerlicher Verletzung (Knie total im Arsch, war es aber vorher schon) in der 23. Minute zählbare Chancen heraus. Den Zuschauern boten sie diese als handlichen Dreierpack an.

24. Minute Bauer erkämpft sich den Ball, paßt zu Michael, der ihn aus elfmetern mit ordentlich Karacho am leeren Tor vorbei knallt. Sicherlich hätte er auch schieben können oder den Ball stoppen. Ich hätte den Ball genau so genommen wie Michael. Aufstiegsheld wird man bei den Grashüpfern nur mit dem Tor des Jahres. Wer den entscheidenden Ball schwul ins Tor passen möchte, soll zu Bayern München wechseln. Wir sind Vollblut- und Instinktfußballer, keine Beamten. Weiter so Micha.

36. Minute schöne Schußmöglichkeit für Dr Guido aus 16m Mittelstürmerposition. Leider schießt der Mann ohne Waden drüber. Ist wirklich nicht seine Position, da vorne.

40. Minute Sturmy erhält den Ball an der Mittellinie, mißachtet den freien Bauern, zieht links an der Abwehr vorbei und hämmert die Kirsche an den rechten Pfosten. Wäre Bauer ein vernünftiger Mathematiker, hätte er sich schnell den richtigen Ausfallwinkel berechnet und dort gestanden, wo der Abpraller seinen Weg nahm. Da Trainer Olivier einen Sonderpädagogen in den Sturm stellte, konnten wir diesen logistischen Vorteil nicht nutzen.

Als ich mir in der Halbzeitpause ein kaltes Bier aus der Kabine holte, lauschten die durchgeschwitzten Jungs in den grün weißen Trikots Olivier, der mehr Bewegung im Mittelfeld verlangte. In der restlichen Pausenzeit schossen Martin Harter und ich jeweils 3 Tore des Monats, die Jochen alle nicht parieren konnte, um dann mit den kalten Bieren wieder im Schatten zu verschwinden.

In Halbzeit zwei erhöhten die Olpkebacher Spieler die Laufbereitschaft und kamen zu weiteren Chancen. Eintracht erkämpfte sich lediglich einen Eckball, den sie leider sicher verwandelten. Die blaue Neun kam in unserem Strafraum frei zum Schuß. Schönes Tor. Unhaltbar. Ich weiß sogar, welcher Abwehrspieler das Tor noch besser beschreiben kann als ich, weil er genau daneben stand. Behalte ich aber für mich.

Unsere tapferen Jungs steckten den Kopf auch nach diesem Zwischenstand nicht in den Sand. Der Sandkasten war auch von Carstens Söhnen belegt. Wovon Hanno übrigens total begeistert war, das war die Erbsenpistole von dem älteren Jungen. Anni hat ihn zwar schon enttäuscht, als sie ihm erklärte, dass es so tolle Spielzeuge in einem langweiligen, pazifistischen Elternhaus nicht gebe, aber vielleicht werde ich ja bald mal von Schäfers zum Grillen eingeladen. Ein Mitbringsel für die Kinder weiß ich schon.

Sechs Minuten nach dem ärgerlichen Rückstand nagelt Bauer den Ball ans Lattenkreuz. Ein fulminanter Schuß aus 25 Metern, der mindestens ein Tor verdient gehabt hätte.

In der 65. enteilt Michael auf der rechten Seite seinen Gegenspielern und jagd das Lederimitat am Tor vorbei.

Drei Zeigerumdrehungen später macht er dann alles richtig. Statt eines satten Spannschlages, rutscht ihm der Ball über den Fuß, tickt noch auf und entlarvt den Torhüter als Bewegungslegastheniker der alten Schule.

Ausgleich.

Doch beim aktuellen Tabellenstand ist auch ein Remis eine Niederlage. Die Hüpfer spielen druckvoll weiter. Und scheitern mit ihren Chancen. Mal fehlt es an Ruhe, wenn Carsten, Peter oder Guido den Ball unüberlegt zurück in den gegnerischen Strafraum befördern und mal fehlt die Präzision beim letzten Paß (da fällt mir jetzt David in einer ansonsten tollen Aktion über links ein, aber die Namensliste kann man auch mit anderen ergänzen). Zusätzlich gilt für Michael am heutigen Tag die alte philosophische Weisheit des Andy Brehme „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“

Deshalb schießt er auch die feine Ablage Sturmys am Kasten vorbei. 88. Minute.

Im Gegenzug rettet Beule per Kopf vor dem heranstürmenden Brecher mit der Rückennummer 11, den Kniebandagen und den Handprotektoren. Hat Mr Cyborg heute eigentlich seinen Helm zu Hause vergessen?

Mit dem geklärten Ball bringt unsere Abwehr einen blauen Mittelfeldmann ins Spiel, der ihn gekonnt als Bogenlampe über Beule hinweg ins Tor versenkt. Kann passieren nach 90 anstrengenden Minuten vergeblichen Anrennens in tropischer Hitze. Scheiß Klimawandel. Bei Regen hätten wir gewonnen.

Weiterhin hätte bei Regen der schreckliche Lautsprecher der Eintrachtler mit der Kirmesmusik nicht funktioniert.

Mittwoch wieder 5×5. Oder Pyramide. Dann noch ein Sieg und ihr könnt nach Malle.

Benehmt euch.